Arbeitstagung der Fußballvereine im Kreis 23 Minden

Rückblick auf die vergangene Spielzeit mit Ehrung der Meister und des Vereins mit den wenigsten Strafen sowie Ausblick auf die neue Saison waren die Tagesordnungspunkte in der Hartumer „Buschklause“. Zum Reizthema wurde aber der schon seit Jahren im Mindener Kreis herrschende Mangel an Schiedsrichtern.


Thomas Schickentanz

45 Teams droht Ausschluss vom Spielbetrieb

Bei unverändertem Mangel an Schiedsrichtern: Kreisvorstand will Paragraf 37 der Verbandsspielordnung anwenden

Eine bis dahin sachliche und eher harmonische Versammlung schien nach mehr als zwei Stunden dem Ende entgegen zu gehen, als es „krachte“. Anlass waren jedoch nicht Maßnahmen und Absichten des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW), wie in jüngster Vergangenheit Kreis-Strukturreform oder Spielklassen-Neuordnung, sondern ein schon seit vielen Jahren vor Ort drängendes Problem: Der chronische Mangel an Schiedsrichter.

„Jetzt ist Schluss mit Lustig, wir ziehen die Reißleine“, kündigte bei der Arbeitstagung der Fußballvereine im FLVW-Kreis 23 Minden Thomas Schickentanz an. „Wir kommen an der Grundforderung nicht mehr vorbei, und die lautet nun einmal: Pro Mannschaft ist ein Schiedsrichter zu stellen“, machte der Kreis-Geschäftsführer lautstark und eindringlich deutlich, dass es so nicht mehr weiter gehe: „Die Sicherung des Spielbetriebs ist stark gefährdet. Die Resonanz auf die ständigen Appelle ist gleich null.“

Lediglich sechs Anmeldungen liegen vor für den nächsten Anwärter-Lehrgang, der am 29. August in der Ratsklause in Meißen mit Einweisung und Eignungsprüfung beginnt und wieder in Hüllhorst zusammen mit den Kreisen Lübbecke und Herford durchgeführt wird. Diese beschicken den Lehrgang mit jeweils mehr als 30 Teilnehmern: „In anderen Kreisen geht es doch . . .“

Nicht nur für den 29. August, auch schon für den 7. Februar 2013 als nächsten Lehrgangs-Beginn wartet Kreis-Schiedsrichter-Obmann Udo Quast auf geeignete Kandidaten aus den Reihen der Vereine und besonders denen, die ihr Soll bei weitem nicht erfüllen. Diese würde nämlich besonders hart treffen die Ankündigung von Schickentanz, dann Paragraf 37, Absatz 3, der Spielordnung des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes (WflV) anzuwenden. Nach diesem und dem aktuellen Schiedsrichter-Bestand würden dann gleich 45 Herren- und Damen-Mannschaften nicht mehr zum Spielbetrieb zugelassen. 26 Vereine würde es treffen, die wegen Nichterfüllung des Solls nach dem Zwei-Stufen-Plan derzeit Ordnungsgelder zahlen oder keine Sportwerbewochen ausrichten dürfen.

„Wir haben diesen Plan damals dummerweise eingeführt“, sah Kreisvorsitzender Walter Schütte die Aufweichung der Regel „eine Mannschaft – ein Schiedsrichter“ als Fehler an: „Die Vereine müssen merken, der Schiri gehört dazu und ist kein schmückendes Beiwerk.“ Und Schütte setzte noch einen drauf: „Ich streite euch ab, dass ihr euch ordentlich bemüht. Denn sonst hätten wir mehr als sechs Anmeldungen.“ Letztlich schloss er aber die Versammlung mit etwas Hoffnung: „Vielleicht kriegen wir im Kreis ja noch den Dreh . . .“




Zitat

Wenn ein 20-Jähriger, der nebenher auch noch aktiv spielt, ständig dann angesetzt wird, wenn gleichzeitig die eigene Erste spielt, dann braucht man sich über fehlende Schiris nicht zu wundern.

Forderung eines Vereinsvertreters nach der Versammlung an die Funktionäre, auch ihr eigenes Handeln zu überdenken




TuS Kleinenbremens Fußball-Obmann Marcus Schütte (links) nahm aus den Händen des Kreisvorsitzenden Walter Schütte den Fairness-Pokal entgegen.

Fairness-Pokal nach Kleinenbremen

SC Lerbeck II nachgemeldet / Bei GAU gleich fünf A-Liga-Absteiger

„Dass gleich sechs Vereine ohne jede Rote Karte bleiben, hat es lange nicht mehr gegeben“, freute sich Walter Schütte. Unter diesen war der TuS Kleinenbremen mit seinen drei Senioren- und Altherren-Mannschaften der Verein mit den wenigsten Strafen auf dem Spielfeld (nur einmal Gelb-Rot) und konnte sich für die zurückliegende Saison 2011/2012 über den Gewinn des Fairness-Pokals freuen, den der Kreisvorsitzende an Fußballobmann Marcus Schütte überreichte. Vorjahressieger SC BW Lerbeck erhielt für den letztjährigen Sieg einen Erinnerungspokal.
Nach Rückblick und Ehrungen stand dann die unmittelbar bevorstehende neue Saison im Blickpunkt. Für diese erhöht sich die Zahl der Mannschaften noch um SC BW Lerbeck II. Für Freundschaftsspiele gemeldet, wird Lerbeck II nun noch in eine der „ungeraden“ Kreisliga-C-Gruppen eingereiht. Bei der Erstellung der Spielpläne habe man diesmal nicht alle Wünsche der Vereine erfüllen können, zumal man mit gleich drei verschiedenen „Schlüsseln“ arbeiten musste.

Halbe Aufsteiger darf es nicht geben

Zur Auf- und Abstiegsregelung wies Schütte darauf hin, dass die Kreisliga A in jedem Fall auch in 2013/14 mit nur 16 Mannschaften spielen werde. Trete der nicht zu wünschende GAU ein (vier heimische Absteiger aus der Bezirksliga), müssten fünf Teams aus dem Kreis-Oberhaus absteigen.
Der Kreisliga-A-Meister steige auch diesmal direkt in die Bezirksliga auf. „Noch gibt es Kreise mit deutlich weniger spielenden Mannschaften“, beruhigte Schütte. Aufgrund dieser Zahlen berechnet nach der Spielklassenreform nämlich der Verband die Zuteilung der 36 freien Bezirksliga-Plätze auf die 31 Kreise und setzt Entscheidungsspiele an. Schütte: „Reine Zahlenspiele am grünen Tisch, gemacht von Theoretikern, die keine Ahnung von Fußball haben. Halbe Aufsteiger darf es nicht geben.“

Bei Punktgleichheit wird es im Mindener Kreis auch weiterhin Entscheidungsspiele oder -runden geben.




Die Meister der Kreisliga-Staffeln mit ihren Urkunden: TuS Victoria Dehme (Andreas Heilmann), TuS Petershagen-Ovenstädt II (Arne Prange), SV Hausberge (Christian Koch), SC BW Lerbeck (Alexander Berg) und VfB Gorspen-Vahlsen II (Maik Senne).

Saison ohne Probleme

Urkunden für Meister und Lob für den FCO

Auf eine ohne Terminprobleme verlaufene Saison 2011/2012 blickte Walter Schütte in Hartum zurück, da man diesmal „von großartigen Witterungseinflüssen verschont“ blieb.
Der Kreisvorsitzende bilanzierte das Abschneiden der Herren- und Damen-Teams in den höheren Klassen, die er nach der Spielklassen-Neuordnung in der neuen Saison für etwas stärker besetzt hält: „Da werden die Mannschaften etwas mehr tun müssen.“ Besonders lobte er Westfalenligist FC Bad Oeynhausen für dessen Erfolgsserie im Westfalenpokal-Wettbewerb, die erst im Halbfinale gegen Drittligist Arminia Bielefeld endete. Die Staffelleiter zeichneten dann die Meister der Kreisliga A, B und C mit den obligatorischen Urkunden aus.

15.8.2012 minden-web